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Infografik erstellen: Komplexes auf einen Blick erklären

KIM Systems Redaktion

Wandmaler mit Farbroller auf einem Gerüst vor einem großen, farbigen Wandbild, das einen Fluss mit Brücke, Schiff und Bäumen in einfachen Formen zeigtKI-generiert

Wer eine Infografik erstellen will, beginnt meist beim Design-Programm – und landet bei einem bunten Bild, das niemand versteht. Ein Radverleih an der Donau möchte zeigen, welche Route für welche Familie passt, und hat dafür Kilometer, Höhenmeter, Einkehrmöglichkeiten und Spielplätze gesammelt.

Dieser Leitfaden zeigt, wie aus solchen Rohdaten eine Grafik wird, die man in wenigen Sekunden versteht: mit einer klaren Frage, der passenden Form und einer Prüfung vor der Veröffentlichung.

Mit einer Frage beginnen

Eine Infografik beantwortet genau eine Frage. Formulieren Sie diese in einem Satz, bevor Sie irgendetwas gestalten. Für den Radverleih lautet sie: „Welche Donau-Route passt zu einer Familie mit kleinen Kindern?“

Alles, was diese Frage nicht beantwortet, bleibt draußen. Die Geschichte des Radwegs oder die Preisliste des Verleihs gehören in einen anderen Beitrag.

Daten sammeln und prüfen

Wer eine Infografik erstellen will, übernimmt Verantwortung: Sie wirkt wie eine Tatsache. Deshalb müssen die Zahlen stimmen. Notieren Sie zu jeder Angabe die Quelle und das Datum. Bei eigenen Messungen schreiben Sie dazu, wie gemessen wurde.

  • Sind alle Zahlen aktuell und aus derselben Quelle oder Messweise?
  • Werden gleiche Einheiten verwendet, also nicht Kilometer und Meilen gemischt?
  • Sind Schätzungen als Schätzungen erkennbar?
  • Hat eine zweite Person die Werte gegengelesen?

Die passende Form wählen

Die Form folgt der Frage, nicht dem Geschmack. Diese Übersicht hilft bei der Wahl:

Sie wollen zeigen …Passende Form
einen AblaufNummerierte Schritte oder Zeitstrahl
einen VergleichBalken nebeneinander oder Tabelle mit Symbolen
einen AnteilEinfaches Balken- oder Flächendiagramm
einen Ort oder WegVereinfachte Karte
eine EntscheidungKleiner Entscheidungsbaum mit Ja/Nein

Der Radverleih entscheidet sich für eine vereinfachte Flusskarte mit drei farbigen Routen. Daneben zeigen kleine Symbole Länge, Steigung und Spielplätze.

Eine Infografik erstellen, die man versteht

Jetzt erst kommt das Design. Ob Sie ein Online-Tool mit Vorlagen oder ein Präsentationsprogramm nutzen oder eine Grafikerin beauftragen, hängt von Häufigkeit und Anspruch ab. Die Regeln bleiben gleich:

  • Eine Überschrift, die die Antwort nennt: „Die Familienroute: 18 km, flach, zwei Spielplätze“ statt „Unsere Routen“.
  • Lesereihenfolge: von oben nach unten oder links nach rechts, mit klaren Abständen.
  • Wenige Farben mit Bedeutung: Jede Farbe steht für eine Sache. Nutzen Sie Ihre Markenfarben aus dem Corporate Design.
  • Nicht nur Farbe: Unterscheiden Sie Routen zusätzlich durch Linienart oder Beschriftung, damit auch Menschen mit Farbsehschwäche folgen können.
  • Große Schrift: Prüfen Sie das Ergebnis auf einem Handy in Originalgröße.

Vorher und nachher: das Radverleih-Beispiel

Der erste Entwurf des fiktiven Radverleihs zeigte alle zwölf Routen der Region, jede in einer anderen Farbe, dazu eine Tabelle mit acht Spalten. Die Testleserin, eine Mutter von zwei Kindern, fand ihre Route erst nach einer Minute.

Die zweite Fassung zeigt nur noch drei familientaugliche Routen. Jede hat eine Farbe, eine Linienart und genau drei Angaben: Länge, Steigung, Spielplätze. Ganz oben steht die Empfehlung in einem Satz. Dieselbe Testleserin brauchte nun wenige Sekunden.

Die Lehre daraus: Weglassen ist die eigentliche Arbeit. Die übrigen neun Routen bekommen eigene Grafiken für andere Zielgruppen, etwa sportliche Tagesfahrer.

Häufige Fehler

  • Zu viele Botschaften: Drei Fragen in einer Grafik bedeuten drei halbe Antworten.
  • Dekoration statt Information: Symbole, die nichts erklären, lenken nur ab.
  • Verzerrte Diagramme: Eine Balkenachse, die nicht bei null beginnt, lässt kleine Unterschiede riesig wirken.
  • Fehlende Quelle: Ohne Herkunft der Zahlen wirkt die Grafik weniger glaubwürdig.

Formate für Website und Social Media

Planen Sie von Anfang an, wo die Grafik erscheint. Ein langes Hochformat funktioniert auf der Website, auf Instagram eher nicht. Dort teilen Sie die Inhalte besser auf mehrere Folien auf, wie im Beitrag Instagram-Karussell erstellen gezeigt.

Auf der Website gehört zur Grafik ein kurzer Text, der die wichtigsten Aussagen auch in Worten nennt. Das hilft Suchmaschinen und allen, die Bilder nicht sehen können. Das W3C empfiehlt für komplexe Bilder einen kurzen Alternativtext plus eine ausführliche Beschreibung im Text. Wie ein guter Alternativtext klingt, steht in Alt-Text schreiben.

Checkliste vor der Veröffentlichung

  • Die Grafik beantwortet genau eine Frage.
  • Alle Zahlen haben Quelle und Datum.
  • Die Überschrift nennt die Antwort.
  • Die Grafik ist auf dem Handy lesbar.
  • Informationen sind nicht nur über Farbe unterscheidbar.
  • Es gibt einen Alternativtext und eine Beschreibung im Text.

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