Auf Ihrer Website liegen hilfreiche Ratgeber neben abgelaufenen Aktionen und mehreren Beiträgen zur gleichen Kundenfrage. Bevor weitere Texte entstehen, lohnt sich eine geordnete Bestandsprüfung. Wer einen Content-Audit durchführen möchte, verbindet eine Liste bestehender Inhalte mit einer begründeten Entscheidung: behalten, aktualisieren, zusammenführen oder archivieren.
Das Ergebnis ist kein bloßer Qualitätswert für jede URL. Sie benötigen einen umsetzbaren Arbeitsplan: Was wird geändert, warum ist das nötig, wer übernimmt es und woran erkennen Sie eine abgeschlossene Überarbeitung? Dieser Leitfaden konzentriert sich auf diese redaktionellen Entscheidungen.
Welchen Bestand wollen Sie zuerst prüfen?
Grenzen Sie den ersten Durchlauf ein. Ein kleiner Betrieb könnte zunächst die Leistungsseiten und die dazugehörigen Ratgeber prüfen. Eine andere sinnvolle Auswahl sind Inhalte, auf die Ihr Vertrieb regelmäßig verweist. Schreiben Sie auf, was bewusst außerhalb des Audits bleibt, etwa ältere Pressemitteilungen oder Dokumente eines anderen Geschäftsbereichs.
Auch die Audit-Anleitung des britischen Government Digital Service verbindet Nutzung, veraltete Informationen, Überschneidungen und Nutzerbedürfnisse. Sie richtet sich an Behörden in einem Übergangsprojekt. Für Ihr Unternehmen ist daraus das Grundprinzip hilfreich: Erst Bestand und Aufgabe verstehen, dann über die Zukunft eines Inhalts entscheiden.
Ein Inventar anlegen, das Entscheidungen ermöglicht
Erfassen Sie jede ausgewählte Seite mit ihrer tatsächlichen URL. Ergänzen Sie PDFs oder andere Dateien, wenn diese eine wichtige Kundenfrage beantworten. Eine Tabellenzeile pro Inhalt reicht häufig aus. Beginnen Sie mit wenigen Spalten, die Ihr Team verlässlich ausfüllen kann.
- URL und Titel: Welcher konkrete Inhalt wird geprüft?
- Aufgabe: Welche Frage beantwortet er für welche Zielgruppe?
- Zuständigkeit: Wer kann die Aussagen fachlich prüfen?
- Befund: Was ist richtig, veraltet, unvollständig oder doppelt?
- Entscheidung: Was soll mit dem Inhalt geschehen und warum?
- Umsetzung: Verantwortliche Person, nächste Handlung, Termin und späterer Prüfstatus.
Tragen Sie vorhandene Nutzungsdaten getrennt von Ihrer Bewertung ein. Wenige Aufrufe beweisen nicht, dass ein Text wertlos ist: Vielleicht beantwortet er eine seltene, aber wichtige Frage vor einer Beauftragung. Umgekehrt machen viele Besuche eine inzwischen falsche Leistungsbeschreibung nicht richtig.
Wie prüfen Sie die Qualität eines bestehenden Inhalts?
Lesen Sie die Seite mit einer klaren Kundenfrage im Kopf. Finden Sie die Antwort ohne Vorwissen? Entspricht sie dem heutigen Angebot? Stimmen Beispiele, Ansprechpartner, verlinkte Unterlagen und der nächste Schritt? Notieren Sie konkrete Fundstellen statt allgemeiner Urteile wie „Text zu schwach“.
Ergänzen Sie verfügbare Hinweise aus Kundenanfragen, interner Suche oder Rückmeldungen des Teams. Wenn Search-Console- oder Analysedaten vorliegen, dokumentieren Sie Zeitraum, Filter und Einschränkungen. Ein saisonaler Inhalt sollte nicht allein anhand eines zufälligen kurzen Zeitfensters bewertet werden. Fehlen Daten, markieren Sie die Lücke ausdrücklich, statt eine vermutete Nachfrage als gemessene Tatsache auszugeben.
Vier Entscheidungen mit unterschiedlichen Folgen
Behalten: Der Inhalt erfüllt seine Aufgabe
Die Aussagen sind korrekt, die Frage wird verständlich beantwortet und die Seite hat einen nachvollziehbaren Platz im Angebot. Notieren Sie trotzdem eine zuständige Person und einen passenden Anlass zur nächsten Prüfung. „Behalten“ bedeutet, dass aktuell keine inhaltliche Änderung erforderlich ist, nicht dass die Seite dauerhaft unbeobachtet bleibt.
Aktualisieren: Die Aufgabe stimmt, die Antwort nicht mehr ganz
Beschreiben Sie die nötige Änderung genau: veralteten Ablauf ersetzen, fehlende Voraussetzungen ergänzen oder eine irreführende Überschrift korrigieren. Ein neues Datum allein ist keine Überarbeitung. Google warnt ausdrücklich davor, Seiten nur durch Datumsänderungen oder massenhaftes Hinzufügen und Entfernen von Inhalten frischer erscheinen zu lassen. Das erläutert die Dokumentation zu hilfreichen Inhalten.
Zusammenführen: Mehrere Seiten erfüllen dieselbe Aufgabe
Prüfen Sie zuerst, ob tatsächlich dieselbe Frage und Zielgruppe gemeint sind. Eine allgemeine Vorbereitungsliste und eine konkrete Montageanleitung können beide nötig sein. Wenn zwei Seiten dagegen dieselben Informationen verteilen, legen Sie fest, welche URL die gemeinsame Aufgabe übernehmen soll und welche einzigartigen Inhalte erhalten bleiben.
Vor der Änderung brauchen Sie auch einen Plan für bisherige Verweise. Unser Leitfaden zu 301-Weiterleitungen und URL-Zuordnung beschreibt die technische Übergabe. Eine Weiterleitung auf eine unpassende Sammelseite ist kein Ersatz für eine sachlich passende Zuordnung.
Archivieren: Der Inhalt hat vor allem historischen Wert
Eine vergangene Veranstaltung kann als nachvollziehbar gekennzeichneter Rückblick sinnvoll bleiben. Eine abgelaufene Aktion darf dagegen nicht wie ein aktuelles Angebot erscheinen. Definieren Sie, ob der Inhalt öffentlich als Archiv erkennbar bleibt, intern gesichert oder nach gesonderter Prüfung entfernt wird. Diese Schritte sind nicht gleichbedeutend und benötigen unterschiedliche technische Entscheidungen.
Fiktives Beispiel: Drei Wartungsratgeber einer Tischlerei
Eine erfundene Tischlerei findet zwei fast gleiche Artikel über die Pflege geölter Tischflächen und einen eigenständigen Beitrag über das Erkennen von Oberflächenschäden. Die ersten beiden beantworten dieselbe Frage, enthalten aber unterschiedliche hilfreiche Hinweise. Der dritte hilft bei einer anderen Entscheidung: weiterpflegen oder fachlich prüfen lassen.
Im Audit wird deshalb vorgeschlagen, die beiden Pflegeartikel nach fachlicher Prüfung zusammenzuführen und ihre belegbaren Hinweise auf einer passenden Zielseite zu erhalten. Der Schadensbeitrag bleibt eigenständig und erhält einen verständlichen Querverweis. Das ist eine redaktionelle Musterentscheidung, kein Bericht über ein reales Kundenprojekt oder eine garantierte SEO-Wirkung.
Welche Änderungen haben Vorrang?
Beginnen Sie mit Inhalten, die Menschen zu einer falschen Handlung führen könnten: ein nicht mehr angebotenes Produkt, widersprüchliche Voraussetzungen oder ein defekter Kontaktweg. Danach folgen wichtige Kundenfragen mit klaren Lücken. Rein stilistische Verbesserungen können später kommen. Schätzen Sie Aufwand und Abhängigkeiten separat ein, statt hohe Reichweite automatisch mit höchster Priorität gleichzusetzen.
Jeder freigegebene Arbeitsauftrag sollte den Befund, die gewünschte Antwort und eine Abschlussprüfung enthalten. Nach einer Zusammenführung gehören dazu auch funktionierende Verweise und eine angepasste interne Verlinkung. Prüfen Sie die öffentliche Seite nach der Umsetzung erneut und dokumentieren Sie, was tatsächlich geändert wurde.
Wenn Sie bestehende Inhalte fachlich ordnen und gezielt neu formulieren möchten, kann KIM Systems Sie bei der redaktionellen Überarbeitung unterstützen. Ein guter erster Auftrag ist ein begrenzter Bestand mit klaren Entscheidungen – nicht die pauschale Aufforderung, alle alten Texte zu ersetzen.

